2015 | In Deep Waters | 14. Erlkönigs Töchter | 5:27

Es eilte geschwinde durch Nebel und Nacht
ein Vater, und hielt in den Armen gar sacht
ein Mädchen, das schlummerte friedlich und still.
Ein Engel, der noch in die Welt fliegen will.

Die Locken umspielten das zarte Gesicht.
Der Körper zerbrechlich, die Haut blass im Licht
des Mondes, der durch hohe Buchen bezeugt,
dass der Mann mit dem Kinde sich niederbeugt.

Warte, kranker Mann!
Wie viele Flügel willst du brechen.
Denk nur, schwacher Geist!
Wie viele Tränen säen.

Das welke Laub gab unter Wurzeln bald preis
ein Plätzchen zum Schlummern fürs frierende Kind.
Erde und Blätter bedeckten es leis‘
und in den Wipfeln sang säuselnd der Wind:

„Teddy ist ein starker Bär,
er passt immer auf mich auf.
Gib ihn bitte wieder her,
sonst kann ich nicht schlafen.“
Warte, kranker Mann!
Wie viele Flügel willst du brechen.
Denk nur, schwacher Geist!
Wie viele Tränen säen.

Dem Mann wurde bang, er eilte hinfort.
Der Wald schien voll Augen, die klagten.
Schatten sich formten und zeigten zum Ort
des Grauens, Gedanken ihn plagten.

Daheim, da küsst‘ er Frau und Kind,
sang leis‘ das Mädchen zur Ruh‘.
Erlkönigs Töchter, sie sangen im Wind,
schauten von draußen ihm zu:

„Teddy ist ein starker Bär,
er passt immer auf mich auf.
Gib ihn bitte wieder her,
sonst kann ich nicht schlafen.

Erlkönig, komm tanz mit uns,
der Wind weiter singen wird.
Wenn ein waches Ohr uns lauscht,
wirst du nie mehr schlafen.“