14.08.2013 | Höher, weiter, M'Era Luna!

Janika und Sandrine beim Anbringen des molllust-Autoaufklebers

Ich bin nach wie vor vollkommen überwältigt von den ganzen Eindrücken, die das Festival uns beschert hat. Es war einfach der Wahnsinn! So viele Menschen, so viel zu sehen, so viel zu erleben und dieses unbeschreibliche Gefühl, auf dieser riesigen Bühne zu stehen – genial! Aber ich fange lieber von vorne an und sortiere meine Gedanken ein wenig.

Wahrscheinlich haben wir uns noch auf kein anderes Konzert so lange gezielt im Voraus vorbereitet. Da waren nicht nur die Proben – sondern vor allem das Drumherum. Wir haben uns zunächst einmal entkabelt. Mit Funksendern für Gitarre, Violine und Kopfbügelmikrofon hingen wir endlich nicht mehr an der Leine und gewannen damit einiges an Freiheit auf der Bühne. Schon die erste Probe damit war eine echte Wohltat: Endlich mal herumlaufen, ohne ständig das Kabel mitzuschleppen oder sich mit seinen Bandkollegen zu verknoten. Viiiiiel angenehmer!

Dann wurden unsere Autos gepimpt. Schließlich sollte jeder sehen, dass molllust im Anflug ist! Also gab’s Heckscheibenaufkleber mit unserem Bandlogo für unsere Flotte. Und wieder fühlten wir uns ein Stückchen professioneller.

Sandrine und Frank vor der riesigen Bühne am Vorabend des Festivals.
Unser Bandbus ist noch ein wenig klein im Vergleich zu anderen Bands. Dafür sehr individuell!

Doch dann war es auch schon Freitag und auf ging’s nach Hildesheim. Zunächst begaben wir uns auf Stippvisite zum Festivalgelände und bezeugten die letzten Aufbauarbeiten der Bühne. Außerdem besorgten wir uns unsere Backstage-Bändchen. Dann ging’s in unser Quartier und Tommaso sorgte mit italienischer Pasta für den perfekten Gaumenschmaus zum Abendausklang. Samstag klingelte der Wecker für Musikerverhältnisse zeitig – 7 Uhr morgens war Styling-Zeit angesagt. Pünktlich um halb zehn standen wir dann auf dem noch leeren Konzertgelände des M’Era Lunas und beäugten die Bühne, auf der es nur kurze Zeit später laut werden sollte. Aufbauen, Line Check, ein kurzer Soundcheck, ab in die Auftrittskleidung – und schon war es soweit.

Ich weiß nicht so recht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll. Einerseits fühlte ich mich Zuhause, angekommen. Die Aufregung hielt sich sehr in Grenzen, es war eher ein: "Endlich stehe ich hier. Der erste Schritt ist getan!" Dann die wahnsinnige Freude über das von Song zu Song immer weiter wachsende, zahlreiche Publikum. Die bekannten Gesichter, die uns entgegenblickten und unterstützten, aber genauso auch die vielen Zuhörer, die das erste Mal zu uns kamen. Es war einfach großartig.

Nicht ganz so großartig war dagegen der Bühnensound – man hatte vergessen, diverse Sachen auf unseren Monitoren anzustellen, so dass ich die erste Hälfte des Konzerts ausschließlich Bassamp, Schlagzeug und Stimme hörte – meinen Bandkollegen ging es nicht anders. Aber wir waren ja perfekt vorbereitet, also ließen wir uns nichts anmerken und widmeten uns voll und ganz der Bühnenshow. Ich musste nur leider ab und an auf die Tasten schielen, da ich ja keinerlei akustische Orientierung hatte, ob ich noch die richtigen Töne anschlug… aber das Publikum und die tolle Bühne entschädigten dafür vollkommen.

molllust mit Marco von Eden weint im Grab

Und dann war die magische Zeit auch schon um und alles vorbei. Leider konnten wir den lautstarken Wunsch nach einer Zugabe seitens des Publikums nicht erfüllen, der Zeitplan des Festivals war straff. Es kam mir alles ein wenig surreal vor. Als wir schließlich abgebaut hatten, mutierten wir zu einem Hybriden aus Festivalgast und Künstler. Stromerten über das Gelände, schauten uns die Konzerte anderer Acts an ... und genossen Backstage das Catering sowie die Gelegenheit, andere Künstler kennenzulernen. Nachdem mir charmant die Tür vom Mono Inc-Frontmann aufgehalten wurde, als ich mit Getränk und Teller in der Hand in den Freisitzbereich des Caterings gehen wollte, strahlte uns ein gut gelaunter Alea von Saltatio Mortis an – den wir Mädels dann auch prompt überfielen, um ein wenig zu plaudern. Und während Lisa noch mit den Jungs von Lord of the Lost schwatzte, rannte Frank versehentlich fast Ville Valo um. Am Sonntag ging es nicht minder prominent weiter. Nachdem wir Coppelius in die Arme gelaufen waren und die eine oder andere Erinnerung an Zwickau heraufbeschworen, besuchten wir die kreativ umgestaltete Garderobe von Unzucht und plauschten gemütlich mit den Herren von Eden weint im Grab. Und schließlich ließ es sich Lisa nicht entgehen, sich von mir mit Tuomas von Nightwish persönlich ablichten zu lassen ...

Wir nehmen unzählige tolle Erinnerungen aus diesem Wochenende mit.

Lisa mit Toumas von Nightwish

Hier noch einige gesammelte Erkenntnisse:

  • Festivalflair macht süchtig!
  • Große Namen schützen nicht vor Lampenfieber.
  • Bands ohne zusätzliche Playbackeinspielungen sind äußerst rar gesät.
  • Es steht nicht überall Rammstein drauf, wo Rammstein drin ist.
  • Ein Lächeln von Herzen öffnet nicht nur Türen, sondern auch Absperrgitter.
  • Und, last but not least: Das Leben ist nicht nur schön, sondern traumhaft exorbitant großartig an Tagen wie diesen!