23.09.2012 | Zylinder trifft Ballkleid - molllust supportet Coppelius

Noch ganz erschlagen von den ganzen Eindrücken des Vorabends und zugegebenermaßen müde von der kurzen Nacht will ich meine Eindrücke versuchen, irgendwie in Worte zu fassen.

Dieses Konzert startete für uns mit einigen Hürden. Tommaso hatte extrem wenig Zeit, sich das gesamte Set anzueignen, meisterte dies aber mit Bravour. Hatten wir angesichts des vergleichsweise für uns wichtigen Gigs lange im Voraus nach einem eigenen Techniker Ausschau gehalten, so hatten wir doch Pech - denn trotz einem bereitwilligen Haupt- und einem einspringwiligen Ersatzmischer konnten beide Techniker gestern nicht, so dass wir uns doch wieder auf den Haustechniker verlassen mussten und hoffen, dass er eine gute Abstimmung der Instrumente zauberte. Und dann war ja auch noch unser Cello in Las Vegas - also suchten wir händeringend einen Einspringer - den wir mit Hanna fanden und die sich in kürzester Zeit nun ebenso unser Programm in die Finger spielte. Dementsprechend hieß es zuvor: Proben, proben, proben - und das neben unseren Vorbereitungen bzw. der Einspielung unserer Bach-EP. Kurz gesagt: Die Tage in den letzten Wochen wurden für uns lang und die Wochenenden kurz.

Nachdem ich in den letzten Tagen einen harten Kampf mit einer aufkommenden Erkältung ausfocht, konnte ich dieser dank der vollen Palette Erkältungsabwehr noch gerade entgehen und wir waren einsatzbereit. Unser inoffizieller Bandbus fuhr gerade in Hamburg herum, also hatten wir uns von einem Freund noch ein Auto geliehen, damit wir zumindest mit zwei Kombis und einem Kunstwerk der Equip-Stapelung alle inkl. unserer Instrumente nach Zwickau kamen. Die Fahrt verlief dieses Mal fast reibungslos: Nachdem sich in Leipzig sämtliche Ampeln gegen uns verschworen hatten - immer, wenn Auto 1 über die Ampel fuhr, wollte sie auf rot umspringen und Auto 2 abhängen - war uns die Verkehrslage auf den Bundesstraßen wohlgesonnen. Und nachdem auch eine intransparente Straßensperrung die Truppe nicht zu einer unfertigen Brücke, sondern stattdessen zu ihrem Zielort trug, fanden wir uns pünktlich im Gasometer ein.

Zunächst liefen wir gleich Max Coppela inkl. zwei Mitgliedern der Coppelius-Crew in die Arme, und nach zweimal blinzeln war er auch ohne Schminke und Bühnenoutfit von uns identifiziert. Die Herren waren bereits dabei, sich häuslich auf der Bühne einzurichten. Nach allgemeinem Begrüßen und Ausladen wurde der Backstagebereich gekapert, der bereits einladend mit Brötchen, Getränken und Süßigkeiten auf uns wartete. Ich mogelte mich kurz in den Coppelius-Soundcheck, da mein Piano heute kurzzeitig nähere Tuchfühlung mit dem Comte Caspar eingehen würde. Der alte Griesgram belehrte uns zunächst mit technischen Tipps - die Verkabelung von Piano und Streichern war bei uns teilweise bislang eher experimenteller Natur.

Kaum im Backstage zurück, durchmengte sich auch schon die coppelianisch-molllustige Trennung, denn die beiden bereits gleich zu Anfang getroffenen Crewmitglieder gesellten sich zu uns. Man unterhielt sich angeregt, plauschte ausführlich über das Bandleben und die Videographie. Außerdem erfreuten wir uns am Ende des Abends über konstruktives Feedback zum Auftritt - Eindrücke von Außenstehenden erweitern immer den Horizont und man findet wieder neue Ansätze, sich weiter zu verbessern.

Schließlich hieß es auch für uns: Zeit für den Soundcheck. Uns wurde schnell klar, warum sich die Herren von Coppelius bei diesem so viel Zeit genommen hatten: einen Monitorsound im akustisch schwierigen Gasometersaal herzurichten stellte Band und Techniker gemeinschaftlich vor eine zeitraubende Herausforderung. Le Comte Caspar gesellte sich zu uns und überprüfte mit strenger Mine Sandrines Bogenhaltung, was Hanna und ich amüsiert verfolgten. Und zum Abschluss des Soundchecks wollten wir zumindest auch noch ein kleines Special für diesen Abend anproben…

Da wir etwas hinter dem Zeitplan hingen, beeilten wir uns nun, in unsere Auftrittskleidung zu kommen, damit der Konzertabend für das Publikum nun endlich beginnen konnte. Wir erfreuten und eines kräftig gefüllten Saals. Als Vorband eine so zahlreiche Zuhörerschaft zu haben, ist alles andere als selbstverständlich und wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei all den Coppelius-Fans bedanken, die uns mit offenen Ohren und kräftiger Unterstützung einen tollen Konzertabend bescherten!

Wir legten los und nachdem wir uns in Sound und Bühne eingefühlt hatten, war die anfängliche Aufregung wie weggeblasen. Unsere beiden molllust-Bühnenpremieren Tommaso und Hanna waren großartig – man hätte meinen können, dass sie schon oft mit uns gespielt hätten. Für den nächsten Gig (abseits des Morgigen, das wird etwas knapp) nehmen wir uns fest vor, noch weiter an der Bühnenshow zu feilen – diese kam leider in den Proben etwas kürzer als es ideal gewesen wäre, gerade vor einer derart bühnenpräsenten Kapelle wie Coppelius. Neben dem musikalischen Fit-Bekommen von Tommaso und Hanna blieb dafür leider kaum Zeit.

Die Zeit auf der Bühne verflog schnell und so kamen wir dann auch zu einem Event der besonderen Art: Le Comte Caspar beehrte uns mit seinem Besuch auf der Bühne, um gemeinsam mit uns unsere Version vom Amulett zu performen. Seine Bühnenpräsenz war beeindruckend und einfach spürbar, auch wenn wir ihn mit unseren Abwandlungen vor einige Herausforderungen stellten und wir ließen im Backstage seine Schelte ob der unsäglichen Verwirrungen und Veränderungen seiner Komposition über uns ergehen. Wie sollte sich ein alter Herr auch mit diesen neumodischen Gitarren plötzlich zurechtfinden? Ungeheuerlich. Es war eine großartige Erfahrung, ein riesiges Dankeschön an Le Comte Caspar hierfür!

Nachdem wir uns eilig etwas zu trinken sowie einige Happen vom großartigen Catering gegönnt hatten, huschten wir zurück in den Saal – schließlich wollten wir uns die Show der Herren nicht entgehen lassen. Für mich (Janika) war sie äußerst inspirierend, ich habe einige Anregungen gewonnen, die eigene Performance weiter zu verbessern. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Die Bühnenpräsenz der Kapelle ist einfach großartig und ihnen zuzuschauen eine Freude für Auge und Ohr.

Der eher ernüchternde Teil des Abends folgte: Abbauen und Heimfahren. Wir waren alle ziemlich erschossen und die Rückfahrt zog sich gefühlt ewig hin. Wir hielten uns mit den lebhaften Erinnerungen an den Abend wach und sind gespannt, wann sich unsere Wege das nächste Mal mit den Herren von Coppelius kreuzen!