27.12.2013 | Janika geht fremd

... oder: Von Arnstadt in die Türkei und zurück nach Leipzig - konzertreicher Dezember

Und plötzlich ist es Weihnachten. Eigentlich habe ich das noch gar nicht so richtig realisiert. Genau genommen hing ich mehr mit der Nase in den Noten, als dass ich dazu gekommen wäre, eine besinnliche Weihnachtszeit zu genießen.

Der erste Advent war zugleich auch ein Konzert zu einer besonderen Veranstaltung für uns: Der BachAdvent in Arnstadt. Wir waren gespannt: Wie würde dort das Publikum sein, wie würde man unsere Musik annehmen? Sicherlich anders als das, was wir sonst so vor unseren Bühnen trafen. Und dem war auch so: Eine bunte Mischung von jung bis alt versammelte sich auf den Stühlen. Ja, richtig gelesen, in dem Fall hatten wir tatsächlich Sitzpublikum. Die Bühne zeichnete sich vor allem durch ihre handliche Größe aus: Das bedeutete für uns also ein wenig gepuzzel, damit wir auch alle Platz darauf fanden. Und dann machte die Violine auch noch Zicken - sie wollte einfach keinen Ton von sich geben. Also starten wir nach fieberhafter Fehlersuche ein wenig verspätet. Doch eigentlich blieb von diesem Konzertnachmittag vor allem ein Gefühl zurück: Warmherzigkeit. Und das auf allen Seiten: Die Organisatoren bedachten uns mit viel Aufmerksamkeit, man empfing uns mit einem äußerst liebevoll gestalteten Catering, das Publikum war zuhörfreudig und ließ sich mitreißen - und außerdem war es gleich so zahlreich, dass nicht einmal alle in das Gewölbe passten. Wir sind allesamt zu Fans des BachAdvents geworden!

Doch viel Zeit, die Eindrücke nachwirken zu lassen, hatte ich nicht: Schon fünf Tage später saß ich im Flugzeug nach Istanbul. Meine Mission: Haggard mit meinem Sopran zu versorgen. Für mich war alles ziemlich schnell gegangen. Knapp zweieinhalb Wochen hatte ich gehabt, um die beiden Türkeikonzerte vorzubereiten und dementsprechend hatten die Tage zuvor ausgesehen. Wenn irgendeiner meiner Nachbarn bis dahin noch nicht mitbekommen hatte, dass sie einen klassischen Sopran im Haus wohnen hatten - jetzt wussten sie es ganz sicher. Und so war ich dann auch ein wenig kribbelig, als der Flieger abhob. Ich war natürlich neugierig auf die ganzen anderen Musiker. Und fragte mich natürlich: Wie würden mich die Haggard-Fans aufnehmen? Und: Würde denn auch alles klappen?

In Istanbul prallte eine Vielzahl neuer Eindrücke auf mich ein. Staunend klebte ich am Fenster, als wir landeten. Und genauso, als uns der Bus ins Hotel brachte. Und als ich mit den anderen Musikern abends noch kurz ins Nachtleben eintauchte, grenzte es an ein Wunder, dass ich niemanden in der Fußgängerzone umrannte, weil ich so sehr damit beschäftigt war, meine Umgebung zu bestaunen. Und im Laufe des Abends stellte sich die Haggard-Bande auch als ziemlich sympathischer Haufen heraus. Ich hätte vermutlich die ganze Nacht damit verbringen können, mit ihnen zu plaudern... oder durch Istanbul zu schlendern und die Stadt zu entdecken... oder beides... aber die Vernunft siegte: Schließlich war ich nicht zum Urlaub machen hierher geflogen. Und dann kam auch schon der große Tag: Meine Bühnenpremiere bei Haggard.

Zunächst hieß es: Soundcheck. Und was bei molllust schon lange dauert, dauert bei Haggard noch länger - schließlich wollten ziemlich viele Musiker sich hören und treffend abgemixt werden. Danach kamen die Fans - und ich befand mich plötzlich in einem Hexenkessel. Die Stimmung war großartig und es war voll. Mit einem noch etwas unsicheren Gefühl betrat ich die Bühne. Aber die Bühne ist irgendwie mein Zuhause, egal, wo sie sich befindet und was sonst noch darauf oder davor steht. Also fühlte ich mich auch schnell heimisch und ließ mich von der Musik mitreißen. Tanzte, sang, genoss die Show - und die absolut feierwütigen Fans. Ich hatte mir im Vorfeld eindeutig zu viele Sorgen gemacht: Mir wurde ein sehr offenes und warmherziges Willkommen bereitet, die Tomaten blieben aus. Und als ich im Anschluss  aus dem Backstage trat, um das eine oder andere Autogramm zu geben, wurde ich förmlich von einer Fanwelle überrannt. Ich glaube ich habe noch nie an einem Abend so viele verschiedene Menschen in meinem Arm gehabt, geschweige denn, dass ich jemals in so viele verschiedene Fotoapparate gelächelt hätte - noch dass ich jemals einen derartigen Haufen Autogramme gegeben hätte. Ich fühlte mich geradezu überrollt. Aber im positiven Sinne: Was gibt es für ein schöneres Lob, als wenn den Fans die Show derart gefallen hat?

Janika auf der Haggard-Bühne - Foto: Çağlayan Göksoy
Janika auf der Haggard-Bühne; Foto: Çağlayan Göksoy

Zurück im Hotel fiel es mir schwer, zur Ruhe zu kommen. Ich war noch vollkommen vom Abend geflasht. Aber viel Zeit zum Schlafen blieb nicht, denn am nächsten Mittag ging schon der Flieger nach Ankara. Ankara empfing uns zunächst mit Schnee, Kälte und Glätte. Tatsächlich war es in Deutschland wärmer als hier. Viel mehr Zeit, als sich ein wenig auf dem Hotelzimmer frisch zu machen, blieb aber nicht, ehe es wieder hieß: Aufbruch. Erneut Soundcheck, erneut Hexenkessel - und wieder ab auf die Bühne. Mit ähnlichem Resultat wie in Istanbul: Die Fans waren in bester Feierlaune, nahmen mich warmherzig auf und dieses Mal fühlte ich mich auf der Bühne auch bereits, als wäre es schon das x-te Haggard-Konzert und nicht erst Nummer Zwei. Umso mehr konnte ich den Abend genießen. Das anschließende Fan-Treffen fiel allerdings kürzer und kälter aus als geplant: Die Security warf die Fans allesamt hinaus und so blieb uns nichts anderes übrig, als die tapferen, die dennoch bei Minusgraden draußen ausharrten, auch dort zu treffen. Aber bei so viel Warmherzigkeit rund um mich herum war die Winterkälte eher nebensächlich. Keine vier Stunden Schlaf und wieder auf zum Flughafen - dann war der ganze Spuk auch schon wieder vorbei. Neben den persönlichen Erinnerungen wurden die Tage aber immer wieder lebendig, sobald ich auf mein Facebook-Profil blickte und jedesmal neue Freundschaftsanfragen, Fotos und Videos drauf fand.

Der molllust-Keks!
Der molllust-Keks!

Aber nun wurde es höchste Zeit, auch mal ein bisschen Weihnachtszeit zu genießen - zumindest am Wochenende, denn es gibt da fürs nächste Jahr noch so einige molllust-Pläne, die vorbereitet werden wollten... Und so hieß es zum dritten Advent: Plätzchen backen mit molllust! Plötzlich war ziemlich viel Trubel in der Küche, als da sechs Musiker, unsere Merchfee Anna und unser Fotograf Frank inkl. Lydia als Begleitung mit Backzutaten und bester Laune anrückten. Und so wurde denn viel gescherzt, gequasselt, Reisebericht erstattet... und natürlich gebacken. Und einige Stunden später hatten wir kiloweise Butter, Mehl usw. in Lebkuchen, Mandelbrot, Plätzchen, Kakaokugeln und Kipferl verwandelt. Wir halten also fest: molllust hätte auch die Befähigung eines Bäckereibetriebes. Irgendwo dazwischen ertönte natürlich auch noch etwas Hausmusik und Frank und Lydia entwarfen geniale molllust-Spezial-Plätzchen! Inkl. schwarzem und weißem Guss. Und der schwarze Guss färbte nicht nur Plätzchen, sondern auch Zungen und Zähne. Gitarren-Frank und Johannes mussten das natürlich gleich ausprobieren. Vielleicht sollten wir den Guss für zukünftige Bühnenshows als Make-Up-Erweiterung für die Herren einführen.

Die molllust-Bäckerei
Die molllust-Bäckerei

Aber jetzt - jetzt geht es für alle molllust-ler tatsächlich für ein paar Tage in den Weihnachtsurlaub, ehe wir zum Coppelius-Konzert am 28. wieder auf der Bühne stehen. Also dürfen wir zu Weihnachten nicht zu sehr schlemmen, sonst kriegen zumindest die Damen ihre Ballkleider nimmer zu!