12.01.2015 | Studioreport - Nr. II

Geschafft, fertig, alles im Kasten! Etwas später als geplant ist schließlich alles von der ersten bis zur letzten Sekunde aufgenommen! Nachdem unser Produzent Andy im September wahlweise mit dem Schnitt unserer Streicher und anderen Projekten beschäftigt war, konnten wir im Oktober endlich die Gitarren einspielen. Hierfür wurde mein Wohnzimmer zum Aufnahmeraum, denn  die Gitarren würden ohnehin noch reampt werden – hier kam es also noch nicht auf den perfekten Sound, sondern nur auf die richtige Spielweise an. Und damit das Ganze am Ende schön schiebt, wurde natürlich auch nicht nur eine Gitarrenspur aufgenommen. Also war Frank für eine Weile ziemlich beschäftigt. Und Andy ließ seiner Kreativität freien Lauf, bastelte hier noch ein hübsches Detail und da noch ein wenig Atmo, was unweigerlich zu der einen oder anderen Zusatzspur führte. Das Ergebnis wurde von Tag zu Tag fetter. Selbst die Rohspuren ließen keinen Zweifel daran, dass das Endergebnis ziemlich amtlich klingen würde!

Eine kurze Zwischenepisode gab es noch auf dem Glockenspiel. Mit entsprechendem Instrument und zwei Fonduespießen bewaffnet okkupierte ich die Gesangskabine des Studios und klöppelte auf das gute Stück ein. Ihr fragt euch jetzt, warum zum Teufel ich mit Essbesteck ein Glockenspiel malträtierte? Ganz einfach: die Hartgummigriffe klangen für unsere Zwecke einfach am besten. Ich hatte zuvor so ziemlich alles im Haushalt durchgetestet, was irgendwie schlägelartig war, vom Kochlöffel bis zum Essstäbchen. Und die Fonduegabeln machten das Rennen.

Einmal mehr ging uns kurzzeitig unser Produzent verloren, dann sollte es mit dem Gesang weiter gehen. Da gab es nur ein kleines Problem: Mittlerweile war es Ende Oktober statt Ende August, wie ursprünglich geplant. Und damit mitten in der Erkältungszeit. Und, was soll ich sagen: von der Haggard-Herbsttour brachte ich auch prompt eine kräftige Erkältung mit. Also war ich vorübergehend außer Gefecht gesetzt – und es dauerte leider drei Wochen, bis meine Stimme wieder tat, was sie sollte. Andy nutzte die Zeit, um Gitarrenspuren zu schneiden und den Bass zu reampen, während ich schlecht gelaunt Tee schlürfte und darauf wartete, ENDLICH wieder loslegen zu können. Doch dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, war es so weit: Von Tag zu Tag ein wenig länger sang und sang und sang ich. Frank löste mich ab, wenn es meiner Stimme reichte – und ebenso unsere zusätzlichen Sänger für diverse Chorpassagen. Beeindruckend, was da teilweise für Stimmberge entstanden! Andy stöhnte leise, wenn wir hier und da die hundertste Aufnahmespur knackten, aber es klang einfach zu geil!

Und dann gab es noch ein furioses Finale. Denn auf dem neuen Album sollte es Pauken geben! Selbst ein frisch gezogener Zahn konnte mich nicht davon abhalten, voller Enthusiasmus durch den Aufnahmeraum zu wuseln. Leider kann man diese körperliche Erfahrung, wenn so eine Pauke wummert und vibriert, nicht adäquat mit aufs Album bringen. Aber dennoch sind diese machtvollen Paukenschläge eindeutig noch einmal ein I-Tüpfelchen auf dieser ohnehin schon gigantischen Produktion. Ich bin schwer begeistert! Gerade läuft das Gitarren-Reamping, der Mix wird unmittelbar folgen. Langsam aber sicher rückt also das Endergebnis in greifbare Nähe. Ich freue mich schon wie eine Schneekönigin darauf, euch all das zeigen zu können!

Auch an anderer Front wurde in der Zwischenzeit übrigens fleißig gewerkelt: Das Artwork unseres Albums steht und bekommt gerade seinen letzten Feinschliff. Die Promofotos sind fertig. Im Übrigen auch kein gänzlich unaufwändiger Akt. Nachdem wir mit dem Ergebnis unseres Shootings noch nicht ganz zufrieden waren, wiederholten wir die ganze Prozedur noch einmal im November. Und siehe da, es hat sich gelohnt! Frank Helbig zauberte wundervolle Aufnahmen von uns! Er versteht es wahrlich, uns in Szene zu setzen. Jetzt braucht es nur noch ein klein wenig Geduld, dann können wir das neue Album genießen!