22.11.2014 | Und Action - unser erstes Musikvideo entsteht!

Mit vollem Einsatz dabei. Rainer an der Kamera, Janika und Frank davor.

Längst schon war es überfällig, doch bislang schreckten uns die damit verbundenen Kosten davon ab, das Vorhaben in die Tat umzusetzen: Der erste molllust-Musikvideodreh! Doch für das neue Album scheuten wir keine Kosten und Mühen. Es sollte kein 0815-Video sein. Es sollte Story haben, aber auch nicht einfach nur platt den Song abbilden. Und es sollte gut aussehen! Aber gleichzeitig mit kleinem Budget noch umsetzbar sein. Eindeutig eine Herausforderung.

Wir begannen zunächst damit uns zu überlegen, welcher Song verfilmt werden sollte und mit wem wir das Ganze umsetzen wollten. Wir schauten uns Videos von anderen Bands an – und wurden auf diese Weise über Eden weint im Grab auf Rainer ZIPP Fränzen aufmerksam. Wir ließen uns den Kontakt vermitteln und überfielen ihn mit unseren ersten, noch ein wenig konfusen Ideen – und siehe da, der Funke sprang über und wir begannen mit Begeisterung am Konzept zu arbeiten. Zunächst gingen Mails mit Skriptvorschlägen hin und her, dann gab es schließlich ein konspiratives Planungstreffen, bei dem wir uns 24 Stunden (nur durch etwas Schlaf und Nahrungsaufnahme unterbrochen) zusammenrotteten und planten… bis wir schließlich eine umsetzbare und gleichermaßen inhaltlich stimmige Variante parat hatten. Oder eher: zwei… aber was es damit auf sich hat, wird an dieser Stelle noch nicht verraten!

Die perfekte Besetzung fürs Styling wurde quasi im Einsatz rekrutiert: Ich war für das Fernsehen als Sängerin unterwegs und lernte in der Maske Franca kennen. Und die war mit so viel Herzblut bei der Sache, dass ich ihr gleich von unserem Vorhaben berichtete und sie dafür begeisterte. Andreas Trommler sorgte bereits seit Monaten für das perfekte Bühnenoutfit für uns. Kameramann und Lichtmann brachte Rainer mit: Damit standen schon einmal Team und Skript. Es folgten geschäftige Wochen, um die Drehlocations festzulegen, die benötigten Komparsen zu rekrutieren, die benötigten Requisiten zusammenzuleihen, zu basteln oder zu kaufen – und dann war es auch schon soweit. Unser Video sollte an zweieinhalb Tagen entstehen. Ein Tag für die Aufnahmen der Bandperformance und der Rest für die Storyelemente. Dank der Vorbereitung starteten wir bereits mit Schlafmangel in den ersten Drehtag. Und an diesem Zustand sollte sich die nächsten Tage auch nichts ändern… im Gegenteil.

Für die Damen hieß es zu unchristlich früher Zeit: Maske. Franca tat ihr Werk und stylte, was das Zeug hielt. Zumindest, nachdem wir mit mehreren Anrufen und Sturmklingeln das Gehör von Sandrine erlangten und eingelassen wurden – die steckte zu diesem Zeitpunkt mit dem Kopf unter dem Föhn und überhörte uns schlichtweg. Zunächst sahen wir aus wie der Club der Hausfrauen: Erst bekamen Lisa und ich Lockenwickler verpasst, dann durften wir Sandrine mit dem Heißstab die Haare eindrehen. Wir staunten nicht schlecht, was Franca im Anschluss an Frisuren und Make Up für uns zauberte.

Streicher im Visier.

Unterdessen trafen die Herren in der naTo, unserem Drehort für die Bandperformance, ein und widmeten sich dem Aufbau. Es dauerte die eine oder andere Stunde, bis alles eingeleuchtet war, der Kamerakran stand und die Dreharbeiten beginnen konnten. Wir tobten uns in unzähligen Durchläufen auf der Bühne aus und Franca bekam alle Hände voll zu tun, Frisuren und Make Up trotz schweißtreibender Action in Form zu halten. Leider standen wir ganz schön unter Zeitdruck, da wir um 18 Uhr die naTo wieder räumen mussten – und so rotierten wir wie die Verrückten, um alles rechtzeitig in den Kasten zu bekommen. Mit Erfolg! Total fertig räumten wir zusammen, aber der Tag war damit noch nicht zu Ende. Weiter ging’s zum Drehort für den nächsten Tag, um dort die Kulisse für den nächsten Drehtag aufzubauen. Ein Vorhaben, das sich über mehrere Stunden Geschleppe, Geräume und Gewerkel erstreckte. Schließlich teilte eine riesige weiße Wand den Raum, eine Ecke war mit schwarzem Molton abgehangen, Requisiten stapelten sich an den Wänden und Kostüme und Technik fanden ihren Platz. Als wir nachts um halb elf ein paar Probeshots machten, waren wir mittlerweile 17 Stunden auf den Beinen.

Diese Nacht schliefen wir wie Steine, aber viel zu kurz. Denn in aller Frühe ging es weiter mit Drehtag zwei: dem Rahmenhandlungsdrehtag. Und dieser sollte laaaaang werden. Nachdem Franca, abermals zu frühmorgendlicher Stunde, mit uns fertig war, sahen wir noch viel fertiger aus als vorher schon. Was allerdings nicht an mangelnder Kunstfertigkeit ihrerseits lag, im Gegenteil! Doch ich möchte an dieser Stelle noch nicht verraten, was wir alles gedreht haben. Stattdessen gibt es an dieser Stelle die Erkenntnisse des Tages:

Verspinnenwebung
  • Tieffliegende Fußbälle sorgen bei Licht- und Kameraleuten für panikartige Zustände.
  • Nur weil man optisch als Soldat durchgeht, heißt das noch lange nicht, dass man weiß, wie man fachgerecht eine Waffe in den Händen hält.
  • Lisa und Affenschaukeln werden niemals beste Freunde werden.
  • Trockenshampoo macht Pony schön.
  • Spinnenweben kleben überall – nur nicht da, wo sie kleben sollen.
  • Im Takt klicken kann eine komplizierte Angelegenheit sein.
  • Spinnenbeinkoordination will gelernt sein! Und Marionettenfädenentknotung ebenso.
  • Geld wegzuwerfen macht mehr Spaß als es einzusammeln. Und geht deutlich schnel-ler.
  • Wer Zigarren freiwillig raucht, muss einen gewissen Drang zum Masochismus haben.
  • Ein Stück Stoff kann binnen Sekunden einen zivilisierten Menschen in einen Neander-taler verwandeln.
  • Wenn Frank zu sehr im Licht steht, wird er verdammt groß!
Erstes molllustiges Zombietreffen

Nach einem äußerst ereignisreichen und gleichermaßen produktiven Tag war der Abbau natürlich besonders spaßig. Wir fuhren mehrmals durch das nächtliche Leipzig, bis der Drehort wieder frei von unseren Hinterlassenschaften war.

Am nächsten Mittag folgte dann die abschließende Episode im Park. Der Wettergott war uns hold: wir erwischten genau das Zeitfenster ohne Regen und mit Sonnenschein. Also machten wir mit diversen Komparsen einen kleinen Samstagsspaziergang während Rainer den Kran durch die Gegend fahren ließ. Ihr werdet schon noch sehen, warum!

Der krönende Abschluss war schließlich Tee, heiße Schokolade, Kaffee und Torte gemütlich im Warmen, während es draußen wie aus Kübeln regnete. Wir saßen alle ein wenig träge in unseren Stühlen, waren aber glücklich und verdammt stolz, alles geschafft zu haben. Wir fieberten alle dem Moment entgegen, an dem das Ganze fertig geschnitten ist! In den nächsten beiden Tagen sollte dies bereits auf den Weg gebracht werden. Wir gaben uns alle Mühe, Rainer fürstlich zu versorgen, während er sich dem Rohschnitt widmete. Wir klebten mit ihm geradezu am Monitor, wann immer es etwas zu besprechen oder zu begutachten gab! Und der Rohschnitt ließ uns alle zu dem gleichen Schluss kommen: Das Video wird verdammt geil.