13.05.2012 | Sachsen-Anhalt, wir kommen! Konzert im Rockpool Halle

Gestern war es soweit: Wir überquerten die Landesgrenze und spielten das erste Mal in Halle. Unser erster Eindruck war eine Stadt ohne Straßen. Zumindest ohne vollständig erhaltene Straßen. Jedenfalls fanden wir unseren Weg irgendwie über einspurige, provisorische Pisten und diverse Umleitungen, da scheinbar die Stadtverwaltung beschlossen hatte, alle Straßen auf unserem Weg zeitgleich aufzureißen und zu erneuern. Dagegen ist sogar die Leipziger Baustellenpolitik autofahrerfreundlich.

Frisch angekommen, wurden wir herzlich vom Rockpool-Team empfangen. Eine unglaubliche leckere Käse-Lauch-Suppe wartete bereits auf uns und die Crew vermittelte sogleich eine heimelige Atmosphäre. Kurz darauf kamen die super entspannten Jungs von Skeletory hinzu - ein guter Auftakt, der angenehme Atmosphäre Backstage versprach. Mit dabei hatten wir an diesem Abend auch eine junge Dame, von der man in Zukunft bei molllust noch hören wird - lasst euch überraschen.

Beim Soundcheck stellte sich das Rockpoolteam der Herausforderung, unsere Truppe richtig zu mischen - und fand recht schnell eine gute Konfiguration für den Sound. Für einen gelungenen Auftritt fehlte nun nur noch das Publikum. Inzwischen focht ich den Kampf mit Lisas Haaren aus: Nachdem diese erst ein Eigenleben entwickelten, entschied ich die Revange im Backstage für mich. Fast pünktlich mit einer Stunde Verspätung wurde es dann ernst.

Seltsamerweise waren wir alle recht ruhig - vielleicht lag es an den gründlichen Proben im Vorfeld, dass uns auch die MDR-Kamera nicht allzu nervös werden ließ, die in diesem Fall ausschnittsweise das Konzert mitzeichnen würde. Sandrine hatte sich zu diesem Anlass bereit erklärt, noch ein weiteres Konzert mit uns zu spielen. Wir waren allesamt sehr froh, dass wir diesen für uns wichtigen Auftritt auf diese Weise in voller Besetzung bestreiten konnten!

Beeindruckt waren wir vom Publikum. Als ich meinen Mantel auszog und das Konzert begann, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Ein tolles Erlebnis, die Ouvertüre nicht gegen ein Stimmengewirr anspielend zu beginnen. So könnte es immer sein. Das Konzert nahm seinen Lauf und wir erfreuten uns einer guten Publikumsresonanz. Wir hatten extra unsere Bühnenshow noch etwas aufpoliert: Einige Gemeinschafts-Headbang-Passagen kamen hinzu und es hieß: Premiere für Cello im Stehen. Ronny und ich fochten beim Lied zur Nacht ein kleines bandinternes Duell aus: verlängertes Schlagzeugende vs. Schlusstonlangehalten. Lisa hatte für das Kartenhaus einen Cello-Dreh-Move entworfen und eingebaut, der sogleich einigen mehrfachen molllust-Konzertgängern positiv auffiel. Wir hatten ein paar kleine technische Pannen, die uns aber nicht schocken konnten. Sandrine wurde vom Technikgott leider für ihr Engagement nicht unbedingt belohnt: Die Violine erlitt im Lied zur Nacht Verstummen durch Stromausfall, das Problem konnte aber schnell wieder behoben werden. Nachdem sich in letzter Zeit die (natürlich ungewollten!) Anschläge aufs Cello gehäuft hatten, gab es nun ein Attentat auf die Violine: Das China-Becken entwickelte ein Eigenleben und kippte in Sandrines Richtung - während Ronny stattdessen geistesgegenwärtig auf der Highhat weitertrommelte und angstvoll dessen Neigungswinkel verfolgte. Doch - wie in einem schlechten B-Movie - verlangsamte sich der Fall des Beckens und es blieb wie von Geisterhand auf halber Höhe in der Luft stehen, von wo es Ronny dann wieder einfangen und zurück an seinen Platz befördern konnte.

Ich durfte mich ausnahmsweise um den Großteil des Abbaus drücken, denn ich wurde noch zu einem kurzen Kamera-Interview gebeten. Nachdem ich gut gelaunt und mit dank des Zigarettenrauchs ungewohnt tiefer Sprechstimme ein paar Worte zum Konzert verloren hatte, hieß es dann: Bühne frei für Skeletory. Die Jungs rockten Halle mit einer soliden Leistung. Der Frontmann erinnerte stimmlich ein wenig an James Hetfield von Metallica und das Publikum ging auch hier super mit. Bei der dank der Unterschiedlichkeit der beiden Bands doch ein wenig gewagten Zusammenstellung waren wir alle froh, dass die Hallenser den Stilwechsel so unkompliziert akzeptierten und feierten.

Nach einem netten Plausch im Backstage mit dem Veranstalter und Skeletory ging es schlussendlich heimwärts - schließlich stand für uns zum Sonntag noch ein Bachprobentag auf dem Programm, bei dem wir nicht gänzlich schlaflos sein wollten.