17.03.2012 | Heimspiel im Mühlkeller

Gestern Abend wurde es kuschelig: molllust spielte im Mühlkeller. Der Veranstaltungsort ließ sich am einfachsten mit: "eng" und "laut" beschreiben. Doch gab es auch einige Highlights an diesem Abend. Aber beginnen wir von vorn.

Nach einem ausgiebigen Soundcheck der drei Bands begann unser Abend zunächst mit einer äußerst angenehmen Plauderrunde im Backstage. Mit Carpe Noctem hatten wir eine Streicher-dominierte Metalband eingeladen, die sich als sympathische und kommunikationsfreudige Truppe entpuppte. Mit Deadend in Venice waren für uns außerdem alte Bekannte Bühnenkollegen - und so kam eine geradezu familiäre Stimmung auf. Man tauschte sich über allerlei Erfahrungen aus dem Musikerleben aus und philosophierte über Frisuren und Haarpflegegewohnheiten (unsere Herren führten, inspiriert durch die Frisierrunde der Ladys, die Damengespräche!), ehe es schließlich Zeit für Carpe Noctem wurde, den Abend zu eröffnen.

Musikalisch absolut lohnenswert wurden Violine und Celli wechselnd zum Rocken und Schmachten gebracht, E-Bass und Schlagzeug sorgten für den richtigen Schub darunter. Wir beeilten uns mit unseren Auftrittsvorbereitungen, um möglichst wenig zu verpassen. Mit gerissenen Bogensaiten und einer nur noch am seidenen Faden hängenden Violinensaite beendete schließlich Carpe Noctem unter begeistertem Applaus ihren Auftritt.

Nach kurzer Umbaupause war es dann an uns, den Abend weiter zu gestalten. Wir hatten in der engen Räumlichkeit etwas Last uns zu puzzeln und Sandrines Bogen machte häufiger Bekanntschaft mit der Wand, während Johannes halb in der Highhat klebte. Wir erahnten ungefähr, was wir so spielten und hofften, dass das Publikum ein stimmiges Gesamtbild dargeboten bekam. Um nicht für blutende Ohren zu sorgen, achtete Ronny darauf, sich am Schlagzeug in der Lautstärke etwas zurückzunehmen und ich sang alle hohen Töne mit verminderter Lautstärke - die kahlen Steinwände in Kombination mit dem engen Raum ließen dem sehr motivierten und bemühten Mühlkeller-Techniker nur wenig Spiel, ein ausgewogenes Klangbild zu erzeugen. Das ein oder andere technische Problem erschwerte uns die Darbietung: Aufgrund der zwangsweise recht komprimierten Aufstellung konnten wir für Einsätze kaum richtig Blickkontakt herstellen oder miteinander zu Showzwecken agieren, der glatte Boden ließ die Klavierpedale trotz Klebekonstruktion rutschen und insbesondere am Anfang ließ uns ohrenbetäubendes Feedback die musikalische Darbietung zum Blindflug werden. Wir haben das Beste daraus gemacht und uns ganz auf unsere Musik konzentriert. Für uns alle lag auch etwas Wehmut in der Luft: Es war unser letzter Auftritt mit Sandrine und so verließen wir in leicht gedrückter Stimmung die Bühne.

Deadend in Venice baute in rekordverdächtig kurzer Zeit um und legte los, als wir noch ganz damit beschäftigt waren, unser Equip im Backstagebereich zu verstauen und uns aus der Auftrittskleidung zu schälen. Wir verfolgten zunächst hauptsächlich das durch die Wände noch gut hörbare Schlagzeug, ehe wir uns nach vollendeter Abbauarbeit wieder in den Veranstaltungsraum begaben. Entspannt ließen wir uns von dem kräftigen Metalbrett und der stimmigen Show in den Feierabend tragen.

Der Auftritt hinterließ die Stimmung eines musikalischen Familientreffens: Die Atmosphäre war sehr warmherzig und sowohl die Bands als auch der Veranstalter zogen alle an einem Strang - ein so gutes Miteinander ist alles andere als selbstverständlich und wir haben es sehr genossen. Daher denken wir trotz der etwas widrigen Umstände und dem Wehmutstropfen unsererseits gerne an den Auftritt zurück.